Blumberger Mühle Erlebnislandschaft Sumpfschildkröten-Anlage
Basisinfos
Den Schildkröten beim Entspannen zusehen
Deutschlands einzige begehbare Sumpfschildkröten-Freianlage
Der Weg in die neue Freiheit erfolgte diesmal aus Ministerhand. Vier Europäische Sumpfschildkröten setzte Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke Ende September 2007 auf dem bundesweiten Ehrenamtsaktionstag der Natur- und Umweltschutzverbände in die Teichanlage des NABU-Informationszentrums Blumberger Mühle aus. Für die Gewöhnung an die neue Unterkunft brauchte Emys orbicularis nicht lange. Nach kurzem Verharren am Ufer schlüpften die vier etwa 15 Zentimeter großen Exemplare in das Gewässer zu ihren Artgenossen.
Erwachsene Sumpfschildkröten im Schaugehege der Blumberger Mühle.
"Besucher müssen nicht erst auf die Galapagos-Inseln fahren, um Schildkröten zu beobachten. Das ist auch bei uns in der Uckermark möglich", sagte Gregor Beyer, der ehemalige Leiter der Blumberger Mühle. In der NABU-Einrichtung 90 Kilometer nordöstlich von Berlin bei Angermünde gibt es die bundesweit einzige begehbare Freianlage für Europäische Sumpfschildkröten. Besucher können die vom Aussterben bedrohten Tiere dort wie in freier Wildbahn beobachten. Die etwa 2000 Quadratmeter große Anlage bildet einen typischen Sumpfschildkrötenlebensraum ab.Ursprünglich wurden im September 2003 ingesamt 12 Sumpfschildkröten eingesetzt, die sich mittlerweile auf eine unbestimmte Anzahl vermehrt haben. Neben dem Teich mit Gehölzen und Schilf am Ufer gibt es eine große Sanddüne, wo die Tiere im Frühjahr ihre Eier ablegen können. Das sandige Substrat der Düne filtert besonders gut Sonnenstrahlen, die wiederum die Eier ausbrüten.
Gäste der Blumberger Mühle, die in den Wintertagen die große Holzbrücke der Anlage betreten, werden allerdings keine Schildkröten zu Gesicht bekommen. Von Oktober an halten die wechselwarmen Tiere ihre Winterruhe. Dazu graben sie sich im Teichboden ein und senken ihre Stoffwechselaktivität auf ein Minimum ab. Ab April werden die Schildkröten wieder aktiv. Sobald die Sonne scheint, sieht man die Tiere mit der feinen gelben Zeichnung auf dem dunklen Rückenpanzer tagsüber gern am Ufer ausruhen.
Die Sumpfschildkrötenanlage im NABU-Zentrum soll möglichst viele Naturfreunde für den Schutz der Tiere sensibilisieren. "Wir sind keine wissenschaftliche Einrichtung, sondern wollen über die Umweltbildung für den Artenschutz werben", betonte Beyer, der ehemalige Leiter der Blumberger Mühle. Allerdings wird das Gelände auch von Mitarbeitern des Landesumweltamtes Brandenburg zu wissenschaftlichen Untersuchungen genutzt. Der NABU Brandenburg hat vor mehr als zehn Jahren ein Schutzprojekt für die einzige in Europa lebende Schildkrötenart gestartet, welches heute durch das Landesumweltamt fortgeführt wird.
Früher war die Sumpfschildkröte weit verbreitet, heute zählt sie zu den seltensten Tieren unserer Heimat. Deutschlandweit gibt es noch bodenständige Vorkommen in Brandenburg, vor allem in der sumpf- und gewässerreichen Uckermark, in Mecklenburg-Vorpommern und seit wenigen Jahren wieder in Hessen.
"Die Sumpfschildkrötenbestände sind in den vergangenen Jahrhunderten durch den Verlust ihrer natürlichen Lebensräume stark geschrumpft. "Der Ausbau von Straßen und Gewässern, die Aufforstung von Gelegeplätzen, Bootsverkehr sowie die Verwendung von Reusen in der Binnenfischerei sind für den Rückgang verantwortlich", sagt Tom Kirschey, Vorsitzender des NABU Brandenburg. "Eine weitere Gefährdung der natürlichen Vorkommen geht von eingesetzten südeuropäischen Sumpfschildkröten aus, wenn sich nicht an unser Klima angepasste Tiere mit heimischen verpaaren", so Kirschey. In zwei Naturschutzgebieten und in den Naturparken Märkische Schweiz und Stechlin-Ruppiner Land engagieren sich der Landesverband und die jeweiligen Kreisverbände gezielt zum Schutz der Sumpfschildkröte, zum Beispiel durch den Ankauf von Flächen. In der Blumberger Mühle freute sich der ehemalige Leiter der Blumberger Mühle, Gregor Beyer bereits auf den Frühling. Denn in diesem Jahr rechnet er erstmals mit Nachwuchs bei den Sumpfschildkröten.
Beitrag aktualisiert am 20. August 2010.

NABU Regional
Service
E-Cards
Podcasts
Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.
Desktopmotive
Verbandsnetz
Entdecken Sie die NABU-Paradiese!
Der NABU stellt Ihnen die 120 schönsten Schutzgebiete vor. Mehr
Bundesweit die Natur erleben
Ausführliche Infos zu NABU-Zentren von der Küste bis zum Bodensee. Mehr
